Pfarrkirche

Die heutige Pfarrkirche zur Unbefleckten Empfängnis Mariae wurde 1628/30 erbaut. Der letzte Ritter Friedrich von Hirschhorn ließ die Kirche am Marktplatz errichten, da die als Stadtpfarrkirche genutzte Klosterkirche der Karmeliterorden zurückerhielt. Als Glockenturm verwendete man das kurz nach der Stadtgründung errichtete Mitteltor, das sich auf diese Weise erhalten hat. Da auch die Kirchenfenster gotische Elemente aufweisen, wirkt die Marktkirche älter als es ihrem Erbauungsdatum entspricht. In Wirklichkeit ist sie die jüngste der drei katholischen Kirchen Hirschhorns. Aus der Erbauungszeit stammt die prächtige Kanzel mit Darstellungen der vier Evangelisten an der Treppenbrüstung. Neben dem Hirschhorner Wappen findet sich das später eingefügte Wappen des Mainzer und Wormser Bischofs Franz Ludwig von der Pfalz. Der 1545 datierte Taufstein stammt aus der Klosterkirche, das zweite Datum – 1631 - bezieht sich auf dessen Überführung in die Marktkirche. Nach Rückführung in die Klosterkirche gelangte er 1732 endgültig in die Marktkirche.

Der Tod Friedrichs von Hirschhorn leitete nach Abzug der Schweden die Gegenreformation ein, da Hirschhorn an Kurmainz zurückfiel. Pfarrkirche wurde die Klosterkirche. 1636 wurde die Marktkirche als protestantische Stadtkirche geschlossen, stand in den folgenden Jahrzehnten leer und wurde schließlich als Scheune genutzt. Die Bürgerschaft, der der Weg zur Klosterkirche zu mühsam war, erreichte gegen den Widerstand der Karmeliter als Pfarrherren die Wiedereinrichtung der Marktkirche als Pfarrkirche. Die Doppelinschrift auf der Kanzel verewigt das Schenkungsjahr der Kirche an die Gemeinde (31.8.1730) und das Aptierungsjahr 1731, das Jahr ihrer Wiedereinrichtung. Am 2. Juli 1732 wurden die Altäre der Kirche durch den Wormser Weihbischof Johann Andreas Wallreuther geweiht, die Kirche ist seither Hirschhorner Pfarrkirche. Die Ausstattung der Kirche ist barock. Von den drei Retabelaltären ist der Hochaltar dreistöckig. Die Gemälde zeigen die Maria Immaculata, Gottvater und Christus auf Wolken thronend, darüber die Taube als Symbol des hl. Geistes. Das Auge Gottes in Strahlenglorie bildet den Abschluss. Die heute zweistöckigen Seitenaltäre zeigen auf der Evangelienseite das Abendmahl sowie die Anbetung einer Hostie in einer Monstranz durch zwei Engel, auf der Epistelseite die Kreuzigung sowie die Anbetung eines Kreuzreliquiars durch Engel. Gefertigt wurden die Altäre durch Johannes Zindel, Neckarelz, die Schnitzarbeit, wahrscheinlich auch die Gemälde, schuf Joseph Kilian Hohlbusch, Neckarsulm. Die Fassung des Altars erfolgte durch den Maler Adam Hügel aus Mainz 1740. Aus der Klosterkirche stammen die Figuren des Hl. Nepomuk und St. Sebastian (beide um 1720) , nach Aufhebung der Klosterkirche gelangten die Figuren der Maria (1764) und des Hl. Joseph (um 1720) noch in die Marktkirche, 1803 wurde auch der 14 Nothelferschrein (Mainz, Mitte 18. Jh.) in die Marktkirche gestiftet. Die vorzüglich gearbeitete Muttergottes mit dem Kind (Maria vom Siege, Maria de Victoria, Mainz um 1730), das mit dem Kreuzstab die Höllenschlange in den Abgrund zurückstößt, hing ursprünglich inmitten der Kirche. An der Außenwand der Kirche befindet sich noch eine Kreuzigungsgruppe, wobei die Assistenzfiguren gemalt sind. Der ausdrucksstarke Corpus wurde von Jakob Hohlbusch, Neckarsulm, 1722 geschaffen.

Nicht zuletzt auch die starken Hochwasser, die die Marktkirche immer wieder in Mitleidenschaft gezogen haben, erforderten immer wieder Renovierungen. 1960/62 wurde die alte Sakristei durch eine größere ersetzt, die Südseite erhielt eine neue Vorhalle mit Taufkapelle, die heute nach Versetzung des Taufsteins in die Kirche als Gebetsraum dient. Die alte barocke Doppelempore wurde durch eine funktionelle, jedoch die Raumgestalt der Kirche aus heutiger Sicht beeinträchtigende, moderne Empore ersetzt. Entfernt wurden damals auch die barocke Bemalung sowie die 1936 gestifteten Kirchenfenster. 1971 wurde der Altarbereich geändert: die Kommunionbank wurde abgebaut und an den Seitenwänden des Chores aufgestellt, ein neuer Tischaltar sowie ein neuer Ambo aus Jura–Marmor wurde errichtet (Klaus Rolke, Neckarsteinach). 1995 wurde die stark renovierungsbedürftige Orgel aus dem Jahr 1912 durch eine neue ersetzt. In das Orgelprospekt (Hauptwerk/zweites Manual) von 1733 (Friedrich Müller, Heidelberg), ergänzt durch ein Separatgehäuse (Hinterpositiv und erstes Manual), wurde durch die traditionsreiche Orgelbaufirma Rieger-Klos, Krnov/Jägerndorf (Tschechien), eine neue Orgel integriert, die in Disposition und Form einer Barockorgel entspricht. Die Orgel besitzt 2436 Pfeifen, die in 35 klingenden Registern und 4 Nebenregistern angespielt werden.